Wo der Wandel im Unternehmen anfängt

Schwanzvergleich (Foto: David-W- / photocase.de)
Auffallen, poltern, prahlen? Nö. (Foto: David-W- / photocase.de)

Auffallen, poltern, prahlen – mit dieser Strategie ist so mancher Mann verdammt erfolgreich. Frauen wird dann gern erzählt, sie sollten es ihnen doch endlich mal gleichtun. Ich kann das aber nicht mehr hören, dass Frauen ständig gesagt wird, sie seien eben nicht richtig. Denn der echte Wandel muss von woanders kommen.

Vor Kurzem war ich auf einer Veranstaltung, auf der ein neues Projekt vorgestellt wurde. Ein, zwei, drei, vier, fünf, sechs Herren saßen auf dem Podium. Frauen? Fehlanzeige. Exakt null. Nicht einmal eine Quotenfrau hatte es auf das Podium geschafft.

Ich konnte es mir nicht verkneifen und ließ, als ich eine Frage stellte, in einem Nebensatz einfließen, dass ich ja doch ein wenig erstaunt sei, dass dort vorn so gar keine Frauen säßen. Und da geschah etwas Erstaunliches: Die Herren redeten eifrig durcheinander, als sie mir wortreich versicherten, dass an dem Projekt durchaus eine ganze Reihe an Frauen – auch federführend! – beteiligt gewesen waren und dass ein Teil dieser Frauen auch anwesend sei. Tatsächlich stand eine Frau in der ersten Reihe auf und erläuterte mir ebenso wortreich, inwiefern sie an dem Projekt beteiligt gewesen war.

Viele Frauen wollen einfach nicht auf ein Podium

Eine weitere Frage lag mir auf der Zunge: Wenn so viele Frauen an dem Projekt beteiligt gewesen waren, warum saß dann keine von ihnen dort vorn, um es zu repräsentieren? Ich stellte sie nicht, doch seitdem spukt sie mir im Kopf herum.


Dies ist ein Stück, das für das Projekt „BizzMiss“ entstanden ist – ein Online-Magazin, das ich im Jahr 2014 mit drei Mitstreiterinnen gründete. BizzMiss gibt es mittlerweile nicht mehr. Hier habe ich notiert, warum das gut ist.


Es wird immer gern behauptet, so etwas liege vor allem daran, dass Frauen fleißig ihren Job erledigen, in der Hoffnung, dass es schon irgend jemandem auffällt, dass sie fleißig sind. Sie hoffen, dass ihnen die Beförderung oder zumindest ein bisschen Anerkennung in der Form, dass sie auf dem Podium landen, dann von ganz allein zugetragen wird. Im Falle der besagten Veranstaltung ist das jedenfalls nicht passiert. Und auch sonst passiert das nicht oft, weil im Berufsleben eben auch noch andere Dinge wichtig sind wie ein durchsetzungsstarkes Verhalten oder ein gutes Netzwerk – beides Dinge, die eher Männern nachgesagt werden.

Es liegt aber auch noch an etwas anderem: Viele Frauen wollen einfach nicht dort vorn sitzen. Sie sind froh und glücklich, wenn sie mehr oder weniger ungestört vor sich hinarbeiten können. Das Gefühl, zu etwas Gutem beigetragen zu haben, ist ihnen Anerkennung genug. Solche Frauen gibt es. Und wisst ihr was? Das ist auch vollkommen in Ordnung.

Chefs sollten die unterschiedlichen Sprachen verstehen lernen

Dieses Verhalten wird nur zum Problem, wenn es auch Frauen an den Tag legen, die eigentlich auf ein Podium oder in einen Chefsessel wollen. Wenn Frauen nicht gehört werden, wenn ihre Leistung nicht honoriert wird und wenn sich dadurch ihre Potenziale nicht entfalten können. Chefs, es macht nicht unbedingt der die tollste Arbeit, der am Lautesten davon redet. Hört doch auch mal der leisen Frau zu – die hat auch eine Menge zu erzählen.

Ich bin absolut nicht der Meinung, dass Frauen ebenso herumpoltern sollten wie Männer oder dass sie sich auf Machtspielereien mit ihre männlichen Kollegen einlassen sollten. Auf jeder zweiten Karriere-Veranstaltung wird Frauen vermittelt: Ihr seid nicht richtig, ihr müsst auftreten wie Männer, euch durchsetzen wie Männer. Das sehe ich ganz und gar nicht so. Stattdessen sollten Chefs die unterschiedlichen Sprachen ihrer unterschiedlichen Mitarbeiter verstehen lernen. Denn nur das trägt zu einem echten Wandel im Unternehmen bei. Wenn alle Frauen im Job plötzlich Männer würden – das wäre falsch. Und verdammt langweilig.

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