Warum wir mehr Flexibilität im Job brauchen

Festhalten ÖPNV (Foto: designritter / photocase.de)
Muss das sein? Eigentlich nicht. (Foto: designritter / photocase.de)

Manchmal hat so ein Bahnstreik auch etwas Gutes: Mir jedenfalls kam eingequetscht zwischen Hunderten anderer Pendler eine ziemlich gute Idee, wie man die Situation entspannen könnte. Was es dazu bräuchte? Ganz einfach.

Wir sind gerade mittendrin im längsten Streik in der Geschichte der Deutschen Bahn, die GDL hat die Arbeit für fast eine ganze Woche niedergelegt. Die S-Bahnen stehen zum großen Teil still, hier in Berlin platzen die U-Bahnen zu den Stoßzeiten aus allen Nähten und die Busse stehen im Stau. Und so führt uns der Streik vor Augen, wie veraltet unsere Arbeitswelt strukturiert ist: Warum muss ich mich eigentlich morgens zu Hunderten anderen in die U-Bahn quetschen, wo ich zu Hause einen Rechner mit Internetzugang habe?


Dies ist ein Stück, das für das Projekt „BizzMiss“ entstanden ist – ein Online-Magazin, das ich im Jahr 2014 mit drei Mitstreiterinnen gründete. BizzMiss gibt es mittlerweile nicht mehr. Hier habe ich notiert, warum das gut ist.


Dass der Industriearbeiter am Band stehen muss – geschenkt. Aber ich als Kopfarbeiter würde mir gern das Arbeitsumfeld aussuchen können, das am Besten zur jeweiligen Phase meines Projektes passt. Wenn ich Austausch brauche, fahre ich in die Redaktion. Wenn ich Ruhe brauche oder keine Bahnen fahren, bleibe ich daheim. Erreichbar bin ich doch, eine Mail ist innerhalb von Sekunden bei mir. Und – man glaubt es kaum – ein Telefon besitze ich auch.

Vertraut mein Arbeitgeber mir nicht?

Dieser Präsenzzwang, der in Deutschland noch immer so hoch gehalten wird, wirkt auf mich total überholt. Ich frage mich, warum wir nicht davon lassen mögen: Vertraut mein Arbeitgeber mir nicht? Oder traut er sich einfach nicht, andere Modelle zu erfinden? Vielleicht haben deutsche Unternehmen es auch einfach noch nicht nötig genug. Das allerdings ist ein trügerisches Gefühl: Denn mittlerweile sollte das doch in jedem Chef-Kopf sollte angekommen sein, dass er etwas tun muss.

Flexible Arbeitszeitmodelle sind eine mögliche Antwort auf eine ganze Reihe an Herausforderungen der Zukunft. Es erschließt sich mir einfach nicht, warum ich in einer Welt, die zunehmend räumlich und zeitlich entgrenzt agiert, gezwungen bin, an einem Nine-To-Five-Büromodell zu kleben. Und flexiblere Strukturen in der Arbeitswelt sind auch ein Teil der Antwort auf die Frage, wie wir Beruf und Familie vereinen. Ob Bahnstreik, Kita-Streik oder wenn das Kind einfach mal krank ist – wenn wir Arbeit flexibler und selbstbestimmter denken, wirft uns so etwas nicht mehr so schnell aus der Bahn.

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