„Jägermentalität“ ist voll von gestern

Jagen ist auch ein Akt der Gewalt (Bild: Pixabay)
Jagen ist auch ein Akt der Gewalt (Bild: Pixabay)

Christian Sewing ist der neue Chef der Deutschen Bank. Er beschwört zum Einstand die „Jägermentalität“ der Mitarbeiter seines Hauses. Doch dieses Bild führt in die Irre.

Der neue Vorstandsvorsitzende Christian Sewing soll nun richten, was in den vergangenen Jahren bei der Deutschen Bank schief gelaufen ist – und er stimmt das Haus und gleich die Welt in einer Nachricht auf die kommenden Zeiten ein. „Wir müssen unsere Jägermentalität zurückgewinnen“, schreibt er in dieser Notiz, und auch wenn ich mir sicher bin, dass jedes einzelne Wort genau abgewogen und kalkuliert ist, so bin ich doch etwas befremdet von diesem Bild.

Ich bin seltsam berührt von diesem Bild des Jägers, mit dem Sewing das Ökosystem beschreibt, in dem er zukünftig in mächtiger Position weitreichende Entscheidungen treffen wird. Jäger betreiben Hege in Wald, Wiesen und Feldern – sie nehmen also durchaus eine Verantwortung für dieses Ökosystem wahr. Sie regulieren Wildtierbestände oder sorgen dafür, dass sich Schädlinge nicht weiter ausbreiten, indem sie das Wild fangen oder töten.

Manchmal jagt man einfach nur aus Spaß

Doch da fängt das Bild an zu kippen. Diese „Jägermentalität“, von der Sewing hier schreibt, ist ein sehr brutales Bild und sie erzählt viel über seine Wahrnehmung der Welt. Jagen ist Kampf um Vorherrschaft und Macht, Jagen ist Hierarchie, Jagen ist Autorität und am Ende geht es eben auch darum, das Leben anderer Lebewesen zu beenden – manchmal zur Hege, ja, und manchmal einfach nur aus Spaß, als „Sport“, zum Sammeln von Trophäen, die dann über dem Kamin hängen.

Das ist das Umfeld, in dem die Deutsche Bank groß geworden ist – es gibt wohl wenige Geldhäuser, die das so verinnerlicht haben wie sie. Sie reüssierte beispiellos in diesem System. Doch die Zeiten haben sich geändert: Neue Arbeit muss in einer neuen Wirtschaft stattfinden, Unternehmer sollten sich ihrer Verantwortung bewusst werden. Das Unternehmen endet nicht an den Unternehmensgrenzen, unsere Unternehmen sind unsere Gesellschaft.

Der deutsche Jäger ist männlich

Neue Arbeit ist Augenhöhe, ist Miteinander, ist Transparenz. Die Wirtschaft der Zukunft ist in nichts weniger eingebettet als eine neue Gesellschaft, anders kann es nicht funktionieren. Da ist eine solche Rhetorik fehl am Platz. Weiter unten schreibt Sewing, dass man wird „kämpfen“ müssen. Warum steht da nicht gestalten? Erfinden? Reifen? Es ist diese Haltung, die das Geldhaus in seine bisher wohl schwerste Krise geführt hat und es ist wahrscheinlich nicht die Haltung, die es unbeschadet wieder herausführen wird. Deshalb wünsche ich mir, dass die Unternehmenslenker in Deutschland das nach und nach verstehen und beginnen, sich auf diesen Weg zu machen.

Und noch etwas: Wenn man sich die Zahlen anschaut, ist der deutsche Jäger männlich. Der Anteil weiblicher Jäger in Deutschland liegt im einstelligen Bereich. Zukunftsweisend ist irgendwie anders…

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.