Wie Organisationen in Zukunft lernen werden

Das Wissen ist in den Organisationen vorhanden, wir müssen nur lernen, es zu finden (Bild: Natalie Rhea Riggs on Unsplash)
Das Wissen ist in den Organisationen vorhanden, wir müssen nur lernen, es zu finden (Bild: Natalie Rhea Riggs on Unsplash)

Organisationen und Unternehmer haben gerade viel zu lernen – es wird immer schwieriger, Schritt zu halten in einer sich digitalisierenden Welt. Doch das notwendige Wissen kann man nicht mehr so einfach einkaufen.

Kürzlich durfte ich an der „Perspektivreise Mittelstand“ von Joan Hinterauer und Gebhard Borck teilnehmen. An fünf Tagen hatten sie Unternehmer aus kleinen und mittelständischen Unternehmen eingeladen, sich mit ihnen auf den Weg in die neue Arbeitswelt zu machen. Wir waren in einer kleinen Gruppe ein paar Tage in Süddeutschland unterwegs, erhielten Einblicke in Unternehmen, die schon heute anders arbeiten, und hatten Gelegenheit, mit den beiden Machern auch theoretisch darüber nachzudenken, was dahinter steht und wie das adaptiert werden kann. Ich fand diese Reise auch deshalb so interessant, weil ich fest davon überzeugt bin, dass wir in Zukunft viel mehr über Organisationsgrenzen hinaus schauen und viel voneinander lernen werden, anstatt gegeneinander zu arbeiten – das ist ja auch das Prinzip, das (nicht ohne Grund) hinter der Accelerate Academy steckt. Mir sind zwei Dinge klar geworden:

1. Es ist viel Bedürfnis da, sich mit den Veränderungen in der Arbeitswelt auseinander zu setzen und in andere Unternehmen hinein zu schauen.

Viele Unternehmer erkennen, dass da gerade Veränderungen vor sich gehen, die schwer einzuschätzen und noch schwerer vorherzusagen sind. Und sie erahnen, dass das umwälzende und potenziell bedrohliche Veränderungen sind, wenn sie nicht richtig darauf reagieren. Und das ist keine schlimme Erkenntnis, sondern eine richtig gute – denn sie ist der erste Schritt in den Transformationsprozess.

Nun sind ja Veränderungen erst einmal nichts Neues für Unternehmer, doch dieses Mal ist alles ein bisschen anders. In der Vergangenheit konnte man gut auf Verwerfungen im Umfeld reagieren, indem man sich Knowhow von außen hereingeholt hat – neue Leute rekrutiert, vielleicht jemanden von der Konkurrenz abgeworben oder Coaches und Berater angeheuert hat. Doch es geht dieses Mal nicht darum, sich einen neuen Markt zu erschließen, ein weiteres Produkt zu erfinden oder sich intern etwas umzustrukturieren. Die Veränderungen, die wir gerade sehen, sind tiefgreifender und umwälzender – es reicht nicht mehr, um Rat zu fragen und sich darauf zu verlassen, dass der schon stimmen wird.

In den Unternehmen und Organisationen erkennt man allmählich, dass man sich auf den Weg machen muss, die eigene Zukunft zu erforschen und über Organisationsgrenzen hinweg lernen muss. Und das ist ein goldrichtiger Weg: Denn wenn wir in Zukunft mehr und mehr kollaborativ arbeiten, warum dann nicht auch kollaborativ lernen? Das Wissen kommt nicht mehr nur von außen in die Organisation hinein, sondern die Menschen in den Organisationen müssen sich aktiv auf den Weg machen und das Wissen suchen und sammeln und heimbringen. Zu unübersichtlich ist die Welt geworden, zu viel gibt es da zu lernen, als dass einem das Wissen einfach so in den Schoß fiele – deshalb sind Angebote wie die Perspektivreise oder die Accelerate Academy so wichtig.

Und noch etwas wird mir immer klarer: In vielen Beschäftigungs- und Arbeitsverhältnissen verkümmern die Mitarbeiter, weil sie so sehr mit dem Alltagsgeschäft ausgelastet sind, dass für Bedürfnisse wie Fortentwicklung oder Austausch zu wenig Raum ist. Alle Jubeljahre mal eine Fortbildung reicht eben schon lange nicht mehr – vor allem auch deshalb nicht, weil eigentlich immer mehr Austauschbedarf besteht, je mehr sich alles wandelt. Wenn wir uns diesen Bedürfnissen nicht zuwenden, werden wir diese Menschen aufreiben und sie irgendwann verlieren.

2. Es ist nicht möglich, die Reife einer Organisation von innen einzuschätzen.

Diese Erkenntnis ist nicht so trivial, wie sie sich auf den ersten Blick liest. Denn Unternehmen befanden sich ja auch schon vor Digitalisierung und Transformation in stetigem Wandel. Jede Person, die tagtäglich in ihnen arbeitet, nimmt diese Veränderungen als konstanten Strom an Entscheidungen und Maßnahmen wahr, um das Unternehmen, seine Prozesse und seine Produkte stetig zu verbessern.

Doch im Zuge der aktuellen Veränderungen multiplizieren sich Einflussfaktoren und Möglichkeiten. Die Übersicht zu behalten wird immer schwerer – wenn nicht gar zunehmend unmöglich. Sogar Unternehmen, die sich anpassen wollen, verlieren den Überblick oder werden von der schieren Masse an potenziellen Handlungsfeldern erdrückt. Nicht selten versteinern agil angelegte Modernisierungsprozesse zu bloßen Verwaltungsakten, ohne dass man es im Alltagsgeschäft merkt, weil die Aufmerksamkeit gerade woanders liegt. Oder mühsam etablierte Prozesse oder Abmachungen sterben einen stillen Tod im täglichen To Do.

Wer in diesen Organisationen arbeitet, kann also viel davon berichten, worüber nachgedacht worden ist oder was eingeführt wurde. Doch um es qualitativ zu bewerten, muss man einen Schritt zurück treten – oder besser noch: Den Schritt nach draußen wagen. Erst im Spiegel anderer Organisationen, im Abgleich mit ihren Ideen und Experimenten, kann man lernen, sich selbst einzuschätzen.

Und noch etwas passiert dann: Wer das eigene Wissen mit anderen Menschen teilt, wird sich bewusst, was er weiß. Wer lehrt, lernt also selbst.

Es gibt also viele Gründe, die Komfortzone der eigenen Organisation zu verlassen. Das Bedürfnis ist da und auch die Notwendigkeit. Ich würde sogar so weit gehen und behaupten: Wer das nicht erkennt und ganz bewusst Prinzipien wie Kollaboration oder Co-Kreation auf den eigenen Entwicklungsprozess anwendet, der könnte das schon bald bitterlich bereuen. Die Ressourcen sind da, da draußen ist viel Wissen – fragen wir danach.

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