Warum ich keine Neujahrsvorsätze habe

Besser nach "Januar-Vorsätzen” fragen? (Foto: Viktor Hanacek / http://viktorhanacek.com)
Besser nach „Januar-Vorsätzen” fragen? (Foto: Viktor Hanacek / http://viktorhanacek.com)

Der Jahreswechsel – Zeit zurück zu blicken und sich zu versprechen, was man im neuen Jahr ganz anders machen wird. Inga Höltmann hält nichts von Neujahrsvorsätzen, obwohl sie ihre Baustellen genau kennt. Ihre Strategie ist eine ganz andere.

Ach ja, die magische Zeit zwischen den Jahren: Zeit, zurück zu blicken. Der Jahreswechsel: Zeit nach vorn zu blicken. Dies ist die Zeit, das Jahr Revue passieren zu lassen, Luft zu holen, sich auf das neue Jahr vorzubereiten. Wir alle tun das. Und wie viele der Menschen um mich herum werden im neuen Jahr vermeintlich schlanker, sportlicher, gesünder, gebildeter – der Jahreswechsel ist auch die Zeit, Vorsätze zu fassen, was alles anders werden soll.

Die ganz Verwegenen sprechen diese Vorsätze auch aus, vielleicht um sich selbst etwas unter Druck zu setzen, vielleicht, weil sie fest davon überzeugt sind, dass sie es dieses Mal wirklich schaffen. Deshalb sind ja auch die Fitnessstudios im Januar so voll wie nie – dies ist das Jahr, in dem alles, aber auch wirklich alles anders wird!

Wer möchte nicht gern fitter oder schlauer werden?

Auch ich bin im ausgehenden Jahr gefragt worden, was denn eigentlich meine Vorsätze für das neue Jahr sind. Eigentlich eine naheliegende Frage. Wer möchte nicht gern fitter oder schlauer werden, endlich die neue Fremdsprache lernen, endlich das Hobby wieder aufnehmen, sich endlich im Job profilieren…


Dies ist ein Stück, das für das Projekt „BizzMiss“ entstanden ist – ein Online-Magazin, das ich im Jahr 2014 mit drei Mitstreiterinnen gründete. BizzMiss gibt es mittlerweile nicht mehr. Hier habe ich notiert, warum das gut ist.


Ich habe kurz nachgedacht und habe ein, zwei Dinge aufgezählt, von denen ich weiß, dass ich an ihnen arbeiten muss. Meine Work-Life-Balance ist so ein Ding. Ich weiß, dass ich lernen muss, mich zu entspannen, abzuschalten, auch in Zeiten, in denen es hoch hergeht. Das ist mitnichten Zeitverschwendung, sondern dringend notwendig, um auch in Zukunft einsatzfähig zu sein.

Aber bei Entspannung geht es ja nicht nur darum, die eigene Arbeitskraft zu erhalten. Es geht auch darum, dem Leben seine federleichten Seiten zuzugestehen. Wer wird sich schon später an die Stunden am Schreibtisch erinnern? Wir erinnern uns doch eher an all diese wunderschönen Freiräume, die wir uns genommen haben! Und die sind aber auch deshalb so wunderschön, weil sie in unserem Job ein Gegengewicht finden.

Es ist falsch, sich nur im Januar um das Wichtige zu bemühen

Das bedeutet aber auch, stärker zu priorisieren. Noch so eine Baustelle von mir. Was muss ich hinten herunterfallen lassen, weil es mich länger an den Schreibtisch fesselt, als es Ertrag bringt? Mit welchem Kleinkram verzettele ich mich und habe dadurch nicht genug Zeit für die Dinge, die wirklich zählen?

Ja, ich kann Dinge nennen, denen ich das Etikett “Neujahrsvorsatz” anheften könnte. Ich tue es aber nicht. Ich habe nämlich keine Neujahrsvorsätze – obwohl ich genau weiß, was meine Baustellen sind. Das liegt daran, dass ich es falsch finde, sich nur im Januar um das zu bemühen, was einem eigentlich wichtig ist.

Ich denke, dass der Jahreswechsel ein guter Anlass ist, zurück zu schauen und auszuwerten, was das vergangene Jahr gebracht hat, was gut und was schlecht war. Aber der 31. Dezember darf uns nicht dazu verleiten, dass wir uns unseren Schwachstellen nur ein Mal im Jahr stellen und wenn es dann nicht klappt, elf Monate warten, um dann einen weiteren Anlauf zu nehmen.

Sich nicht im Klein-Klein des Alltags verlieren

Haltet Euren Schreibtisch übersichtlich, konzentriert Euch auf das, was ihr tut, haltet Euch den Kopf frei, sodass ihr das ganze Jahr über den Überblick behaltet und Euch nicht im Klein-Klein des Alltags verliert. Tretet immer wieder einen Schritt zurück und schaut Euch genau an: Das, was ich jetzt gerade tue und die Art wie ich es tue – bringt mich das näher an mein Ziel, das ich doch eigentlich ganz genau kenne?

Ich denke, dass es nicht die Kunst ist, sich selbst im Dezember alles Mögliche zu versprechen und dann im Januar daran zu scheitern. Deshalb finde ich Neujahrsvorsätze überflüssig. Die Kunst ist, das große Ziel in viele kleine Schritte aufzuteilen und sie konsequent das ganze Jahr hindurch zu gehen.

Also muss die Frage in Zukunft nicht mehr lauten: “Was sind Deine Neujahrsvorsätze?”, sondern “Was sind Deine Januar-Vorsätze?”, “Wo willst Du im Februar sein?” und “Was hast Du Dir für den März vorgenommen?”.

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