Privilegien, die die Welt nicht braucht

Familie im Schatten (Bild: Igor Ovsyannykov on Unsplash)
Vereinbarkeit kann man in Deutschland erkaufen – was es sehr ungerecht macht (Bild: Igor Ovsyannykov on Unsplash)

Es ist nicht ganz leicht in Deutschland, Beruf und Familie miteinander zu vereinbaren. Das gelingt dann umso leichter, je mehr Geld man dafür ausgeben kann, Kita oder Tagesmutter zu bezahlen. Vereinbarkeit wird damit zu einem Privileg, kritisiert Inga Höltmann.

Es ist möglich, auch heute schon Kind und Karriere miteinander zu vereinbaren, viele Frauen zeigen das – unter recht großen Anstrengungen zwar, aber sie tun es. Dazu braucht es aber Unterstützung: Oma, Opa, Kita, Babysitter, vielleicht Hausaufgabenbetreuung und am Besten noch eine Haushaltshilfe.

Mammutaufgaben im Verborgenen erledigt

Diese Aufzählung zeigt: Wenn man nicht auf Großeltern oder Verwandte zurück greifen kann, wird Vereinbarkeit eine ziemlich teure Angelegenheit. Ob Tagesmutter oder Babysitter – all das will bezahlt werden. Wir können uns heute die Vereinbarkeit von Familie und Beruf erkaufen, doch damit wird sie zum Privileg. Und abhängig von Bildung und Job.


Dies ist ein Stück, das für das Projekt „BizzMiss“ entstanden ist – ein Online-Magazin, das ich im Jahr 2014 mit drei Mitstreiterinnen gründete. BizzMiss gibt es mittlerweile nicht mehr. Hier habe ich notiert, warum das gut ist.


Mit dem Wegfall der Familie, wie wir sie bisher kannten, gibt es heute eben keine Großeltern, keinen Onkel, keine Tante um die Ecke, die sich kümmern können. Das ist die große Krux mit den Care-Tätigkeiten wie Kinderbetreuung oder Altenpflege: Als die Frauen anfingen, arbeiten zu gehen, und diese Arbeiten nicht mehr still und selbstverständlich daheim erledigt haben, wurde uns bewusst, welche Mammutaufgaben dort im Verborgenen und vor allem kostenlos erledigt wurden. Wenn man diese Arbeiten kaufen muss, wird es ziemlich schnell sehr teuer.

Allein gesellschaftlicher und politischer Wille

Viele Frauen müssen deshalb abwägen, ob es sich lohnt, arbeiten zu gehen. Manche von ihnen gehen allein für die Kita-Gebühren arbeiten, so wichtig ist ihnen der Freiraum, den sie sich damit erkaufen. Immer wieder werden diese familienfeindlichen Strukturen aber noch gestärkt, anstatt sie zu zerschlagen (ja, Betreuungsgeld, ich meine auch Dich!).

Wir sollten keine Anreize schaffen, dass Frauen zu Hause bleiben – wir sollten die Rahmenbedingungen schaffen, dass Familien sich selbst so organisieren können, wie es ihnen gefällt und wie sie es haben wollen. Unabhängig davon, als was die Mütter und Väter arbeiten und unabhängig davon, was sie dort verdienen. Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf darf kein Privileg sein – und es ist allein gesellschaftlicher und politischer Wille, der den Weg dafür bereitet!

 

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