Plötzlich für die Frauenquote

Die Argumente gegen die Quote strotzen vor Sexismus (Foto: Ariel Lustre / Unsplash)
Die Argumente gegen die Quote strotzen vor Sexismus (Foto: Ariel Lustre / Unsplash)

Die Frauenquote wird in Deutschland zuweilen hitzig diskutiert. Besonders ihre Gegner fahren ein ganz ansehnliches Arsenal an Argumenten auf. Doch wer sich die genauer anschaut, macht eine überraschende Beobachtung.

Ich kann ziemlich genau benennen, wann sich meine Meinung zur Frauenquote geändert hat. Wenn man mich vor drei Monaten gefragt hätte, wie ich dazu stehe, Frauen mittels einer Quote auf Männerposten zu heben, wäre meine Antwort relativ neutral gewesen. Ich hätte geantwortet, dass ich es gut finde, Frauen dabei zu unterstützen, gleichberechtigt an der Seite von Männern zu arbeiten und wenn man das mit einer Quote tut – warum nicht? So lange die Quote als eine Krücke begriffen wird, die die Unternehmen hoffentlich schon bald nicht mehr brauchen. Ich war aber nie eine glühende Verfechterin einer Frauenquote und es hätte mich auch nicht besonders berührt, wenn dieses politische Projekt gescheitert wäre.


Dies ist ein Stück, das für das Projekt „BizzMiss“ entstanden ist – ein Online-Magazin, das ich im Jahr 2014 mit drei Mitstreiterinnen gründete. BizzMiss gibt es mittlerweile nicht mehr. Hier habe ich notiert, warum das gut ist.


Heute fällt meine Antwort etwas anders aus. Was dazwischen passiert ist? Wir haben BizzMiss gelauncht und ich habe angefangen, mich noch intensiver mit dem Thema Frauen im Beruf auseinander zu setzen. Und je mehr ich mich damit beschäftigte, umso klarer wurde mir, dass wir eine Quote tatsächlich brauchen.

Die Argumente gegen die Frauenquote sind sexistisch

Warum? Weil ich mir die Gegenargumente genauer angeschaut habe. Und die Gegenargumente strotzen vor Sexismus – und interessanterweise werden sie auch genau so von weiblichen Quotengegnern vertreten, die das offenbar nicht erkennen. Das populärste Argument: Frauen sind nicht so karrierefixiert, nehmen gern eine längere Auszeit fürs Kinderkriegen und steigen dann in Teilzeit wieder ein. Wer so arbeitet, macht eben keine Karriere. Frauen dürfen Sekretärin für den Chef sein – aber selbst auf Chef machen? In Teilzeit wird das nichts. Es sind eben strukturelle Gründe, die die Frauen ausbremsen.

Es ist unbestritten: Es sind die Frauen, die die Kinder bekommen, sie müssen in Mutterschutz gehen. Das ist ein biologischer Fakt, der Mutterschutz notwendig. Dass Frauen nicht zuletzt durch die Schwangerschaft eine besonders enge Beziehung zu ihrem Kind haben und deshalb eher geneigt sind, beruflich zurückstecken, wird ihnen zum Vorwurf gemacht. Ihr könntet doch, wenn ihr wolltet, aber ihr wollt ja nicht, heißt es dann.

Männliche Karrieremuster werden einfach auf Frauen übertragen

Ja, richtig. Eine Mutter kann sich entscheiden, wie lange sie in Elternzeit geht. Eine Mutter kann auch entscheiden, ob sie danach wieder in Voll- oder Teilzeit einsteigt. Wissend, dass ein Einstieg in Teilzeit unter Umständen der Todesstoß für ihre Karriere ist.

Sexistisch daran ist, dass das männliche Karrieremuster einfach so auf die Frauen übertragen wird. Macht es so wie wir – oder lasst es sein! Aber wo steht denn eigentlich geschrieben, dass man auch als Frau bis 35 im Job schon alles in trockenen Tüchern haben muss? Warum kann man nicht einfach später anfangen, wenn die Kids aus dem Gröbsten raus sind?

Tough sein, sich durchsetzen, auf den Tisch hauen

Frauen sind dann am erfolgreichsten im Beruf, wenn sie so männlich wie möglich konkurrieren. Tough sein, sich durchsetzen, auf den Tisch hauen, Ellbogen raus. Und bitte keine Kinder, keine Familie. Und bloß keine Tränen. Wenn eine Quote Frauen hilft, diese männliche Ausrichtung ein stückweit aufzuweichen, dann ist sie sinnvoll. Wenn sie diesen verborgenen Sexismus ein wenig entschärft, kann man fast nicht anders, als sie zu bejahen.

Und sind wir doch mal ehrlich: Selbst wenn die Quote am Ende durchgesetzt ist und Frauen in die Führungsetagen gespült hat – Fifty-fifty ist das dann noch lange nicht. Also keine Angst, Männer.

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