Jung gründen: Nervenkitzel pur

Screenshot Enziano

In den 20ern gründen: Christin Siegemund und Stephanie Zankl haben es gewagt. Hier berichten sie von ihren Erfahrungen – Teil zwei der Gründerinnen-Serie.

Christin Siegemund und Stephanie Zankl haben beide mit 20 gegründet. Christin war erst 23, als sie das erste Mal gründete: Zusammen mit einer Partnerin, die zehn Jahre älter war, gründete sie 2005 eine Veranstaltungsagentur mit Schwerpunkt Hochzeit. Nachdem ihre Partnerin ausgestiegen war, beschloss sie, die Agentur zu verkaufen und ging in ein Angestelltenverhältnis. 2014 wurde sie Mutter und wollte drei Jahre Elternzeit machen – und still und leise gründete sie in ihrer Elternzeit neu, dieses Mal als Marketingberaterin. Stephanie war bereits Ende 20, als sie gründete: Im Jahr 2013 – da war sie 28 – hob sie „Enziano“ aus der Taufe, einen digitalen Marktplatz für Outdoorführer.

Was hat bei Euch den Anlass zur Gründung gegeben?

Christin Siegemund (Foto: privat)
Christin Siegemund (Foto: privat)

Christin: Bei mir hat sich das beide Male einfach so ergeben. Beim ersten Mal, als ich die Veranstaltungsagentur gegründet habe, habe ich das Angebot bekommen, ein bestehendes Konzept zu übernehmen. Also habe ich mir eine Partnerin gesucht und gegründet. Wir haben das sehr genau vorbereitet, Konkurrenzanalyse, Finanzplanung und so weiter. Wir haben dann Hochzeiten oder Weihnachtsfeiern, solche Sachen organisiert – und jede Veranstaltung war Nervenkitzel pur. Da darf ja nichts schief gehen.
Stephanie: Ich wollte meine eigene Idee verwirklichen, etwas umsetzen, das mir selbst immer gefehlt hat. So kam ich auf die Idee mit „Enziano“. Bei uns finden Kletterer und Wanderer sowohl einzelne Touren als auch komplette Guides für den Computer oder das Smartphone.

Was war die größte Herausforderung für Euch?
Stephanie: Als ich „Enziano“ gegründet habe, hatte ich ja noch einen festen Job – es war eine sehr schwere Entscheidung, den dafür aufzugeben. Er war unbefristet und gut bezahlt. Monatelang habe ich mit mir gerungen, bis ich den Sprung in die Selbständigkeit gewagt habe.
Christin: Im Nachhinein muss ich sagen, dass mir mit Anfang 20 noch ein bisschen der Weitblick gefehlt hat. Ich habe mich auch noch nicht so richtig getraut, auf mein Bauchgefühl zu hören – was heute eines meiner wichtigsten Leitplanken ist. Wenn ich damals schon den Weitblick gehabt hätte, vielleicht hätte ich gar nicht so früh gegründet. Andererseits würde mir dann auch die Erfahrung von damals für meine heutige Gründung fehlen… Eigentlich ist doch alles genau richtig so wie es ist!

Stephanie Zankl (Foto: privat)
Stephanie Zankl (Foto: privat)

Stephanie: Ich habe das Gefühl, dass mit 28 zu gründen für mich genau das richtige Alter war. Ich hatte studiert, dann zwei Jahre gearbeitet und hatte irgendwie das Gefühl, dass ich dem absolut gewachsen war. Und dadurch, dass mein Studium noch nicht so lange zurücklag, war ich auch dem studentischen Leben noch nicht so weit entwachsen, so dass ich wusste, dass ich als Gründerin erst einmal mit weniger auskommen würde. Insgesamt war in meinem ersten Jahr die Lernkurve total steil, ich habe super viel Input bekommen, das war echt toll. Heute schaue ich zurück und denke: Wahnsinn, was ich im ersten Jahr alles durchlebt habe!

Was war die wichtigste Lektion, die ihr gelernt habt?
Christin: Ich habe total viele Lektionen gelernt: Man sollte nicht zu konfliktscheu sein, sich für seine Ideen einsetzen, man sollte auf sich vertrauen und vor allem das Wochenende Wochenende sein lassen. Und auch der Lebensgefährte ist total wichtig, dass der einen unterstützt. Und – auch wenn das total abgedroschen klingt – meine Kinder haben mich gelehrt, wohin ich meine Prioritäten legen muss. Ich ärgere mich nur noch über die wirklich wichtigen Dinge – meistens jedenfalls.
Stephanie: Wenn man sich fragt, was das richtige Alter oder der richtige Zeitpunkt zum Gründen ist, dann ist der richtige Zeitpunkt wahrscheinlich genau jetzt. Zögern, abwägen, das darf man alles, aber bloß nicht auf den einen perfekten Zeitpunkt warten, der sowieso nie kommt!

Christin bloggt auf „Hamburger Deern“
Zu Stephanies „Enziano“ hier entlang

Dies ist Teil 2 einer Gründerinnen-Serie
Teil 1: Gründen mit 40 „Wir sind kein hippes Start-up, bei dem bis spät in die Nacht gearbeitet wird“
Teil 3: Gründen mit 30 Eine Herausforderung der besonderen Art
Teil 4: Gründen mit 50 „Ich musste lernen, mich zu trauen“

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