Auch Frauen wollen nackte Männer sehen

Herausgeberinnen von Séparee: Janina Gatzky und Ute Gliwa (Foto: Promo)
Herausgeberinnen von Séparee: Janina Gatzky und Ute Gliwa (Foto: Promo)

“Playgirl” war gestern, jetzt kommt “Séparée”, ein erotisches Magazin für Frauen. Eingeölte Muskeltypen gibt es nicht, stattdessen ästhetische Bilder und frivole Geschichten. Den Frauen gefällt es, sogar den Männern gefällt es – trotzdem fehlt das Geld.

Dieses Heft ist irgendwie anders. Das fällt schon beim ersten Blick auf die Bilder auf. Sie sind erotisch, ohne Frage, aber Moment – der Mann ist zwar halbnackt, aber gar nicht blutjung und durchtrainiert, sondern, ja, er ist ein wenig älter, so um die 40 mindestens.

“Die Texte heizen die Fantasie an”

Und richtig, das gehört zum Konzept: “Wir zeigen keine aalglatten, eingeölten Typen”, sagt Ute Gliwa, Miterfinderin von “Séparée”. “Das interessiert Frauen nämlich nicht.” Stattdessen bietet “Séparée” “sinnliche Fotostrecken, frivole Kurzgeschichten, lustvolle Beiträge”. Richtig gelesen – viel Text. “Der heizt die Fantasie an”, sagt Gliwa.


Dies ist ein Stück, das für das Projekt „BizzMiss“ entstanden ist – ein Online-Magazin, das ich im Jahr 2014 mit drei Mitstreiterinnen gründete. BizzMiss gibt es mittlerweile nicht mehr. Hier habe ich notiert, warum das gut ist.


Ute Gliwa und Janina Gatzky sind seit vielen Jahren befreundet und haben das Magazin zusammen aus der Taufe gehoben. Gliwa lebt in Berlin und hat zuletzt als Autorin gearbeitet, Gatzky lebt in Sachsen-Anhalt und ist Übersetzerin. Zwei Ausgaben des Heftes sind bereits erschienen. “Séparée” will eine Lücke schließen und das erste richtig gute weibliche Erotikmagazin sein.

"Séparée": Das Cover der ersten Ausgabe
„Séparée“: Das Cover der ersten Ausgabe

Um Liebe und Sexualität geht es auch in allen anderen Frauenzeitschriften. Der Unterschied: Inhaltlich ist das, was es da zu lesen gibt, hauptsächlich auf den Mann ausgerichtet. Da gibt es Tipps, wie man ihm am Besten einen bläst oder wie man ihm gefällt – die Sexualität der Frau und was ihr denn eigentlich gefallen könnte, spielt nahezu überhaupt keine Rolle.

In “Séparée” dagegen gibt es ästhetische Bilder und ansprechende Texte, auch zu ernsthaften Themen, die ausschließlich auf die Frau und was sie schön findet, ausgerichtet sind. Und vor allem soll es kein schwules Erotikmagazin sein. Heterosexuelle und schwule Männermagazine gibt es zuhauf, “Séparée” will anders sein.

Das fängt schon bei den Bildern für die Fotostrecken an. “Nackte Frauen gibt es überall, nackte Männer fast nirgendwo”, sagt Gliwa. Also müssen alle Bilder selbst gemacht werden – Maßanfertigungen für das Magazin sozusagen. “Wir engagieren ausschließlich weibliche Fotografen”, erzählt Gliwa. Ein Versuch mit einem männlichen Fotografen ging nach hinten los. “Einer Frau hingegen müssen wir gar nicht erklären, wie die Bilder aussehen sollen.” Überhaupt ist das gesamte Team vornehmlich weiblich.

“Den Männern gefällt der Einblick in die weibliche Sexualität”

Für die dritte Ausgabe crowdfunden Gliwa und Gatzky gerade das nötige Kleingeld – 15.000 Euro sollen es werden. Die Aktion läuft nur noch wenige Tage, doch von ihrer Zielmarke sind die beiden noch weit entfernt. Es werden nur kleine Summen gegeben, mal fünf Euro, mal zehn Euro – und interessanterweise sind unter den Fundern viele Männer. “Den Männern gefällt der Einblick in die weibliche Sexualität”, ist sie überzeugt.

Und die Frauen – interessieren sie sich dann doch nicht so sehr für ein auf sie zugeschnittenes Erotikmagazin? “Sie tun sich schwer”, sagt Gliwa. Woran das liegt, weiß sie nicht, denn das Feedback auf die ersten beiden Ausgaben ist durchgehend gut. Viele freuen sich, dass es so etwas endlich gibt. “Wir müssen bekannter werden”, meint Gliwa. “Es ist sehr mühsam, an die Frauen heranzukommen.”

Vier Mal im Jahr erscheint “Séparée”, derzeit haben etwa 300 Personen das Magazin abonniert. Und Gliwa ist das Magazin so wichtig, dass sie kämpferisch sagt: “Wir machen auf jeden Fall weiter, auch wenn das Crowdfunding scheitert.”

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